Juli 2015

Der Sinn der bitteren Melone

Ein Herr hatte einen Diener, der ihm treu ergeben war.
Eines Tages bat er seinen Diener, eine Melone, die reif und köstlich aussah, zum Mahl zuzubereiten. Nachdem sie aufgeschnitten worden war, bot der Herr seinem Diener an, von der Melone zu kosten.

Der Diener ass ein Stück, dann noch eines und - dann noch eines; er verzehrte fast alle Melonenstücke. Der Herr wunderte sich, dass sein Diener ihm nichts von der Melone anbot, nahm selbst das letzte Stück, probierte es und befand es als übermässig bitter und ungeniessbar.

Nun fragte der Herr erstaunt seinen Diener: „Waren denn deine Melonenstücke nicht bitter?“
Der Diener antwortete: „Doch Herr, sie waren bitter und ungeniessbar.“ Der Herr fragte: „Und weshalb sagtest du nicht, dass sie bitter waren?“
Der Diener antwortete: „Mein Herr, ich habe so viel Süsses von deinen Händen gekostet, dass eine bittere Melone mir nicht erwähnenswert schien.“

Sufismus